Witwe Teresa über Robert Enke: „Es schmerzt nicht mehr.“

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Bereits 8 Jahre ist es her, dass sich Nationaltorwart Robert Enke das Leben genommen hat. Der Tod des 32-Jährigen hat Familie und Fußballfans völlig unvermittelt getroffen und eindrücklich gezeigt, was Depressionen anrichten können. Nun spricht die Witwe Teresa Enke darüber, wie sie nach all der Zeit mit dem Verlust ihres Mannes umgeht.

Der 10. November 2009 ist vielen Deutschen im Gedächtnis geblieben: und zwar als der Tag, an dem Robert Enke von allen unerwartet aus dem Leben schied. Der Torwart von Hannover 96 nimmt am Vormittag noch an einem Einzeltraining teil. Dann fährt er mit seinem Wagen zu den Bahngleisen in Eilvese, knapp zwei Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt. Der 32-Jährige lässt seinen Geldbeutel auf dem Beifahrersitz liegen und läuft an den Schienen entlang. Ein Zug nähert sich mit voller Geschwindigkeit – und Robert Enke wirft sich vor ihn.

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Was zu diesem Zeitpunkt nur seine engsten Vertrauten wissen: Der Profispieler aus dem Nationalkader leidet seit Jahren an schweren Depressionen. Vor der Öffentlichkeit hält er die Einnahme von starken Psychopharmaka, seine Versagensängste, die Antriebslosigkeit und die Selbstmordgedanken geheim. Noch am Tag seines Todes lehnt er die Bitte ab, sich endlich in stationäre Therapie zu begeben. Er gibt vor, dass es ihm besser gehe. Eine bewusste Täuschung. „Das Versteckspiel, das er spielen musste, das auch ich spielen musste, ging natürlich an die Nerven“, erzählt Teresa Enke im Interview mit „Spox.com“. „Er war oft niedergeschlagen.“

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„Wir haben gedacht, mit Liebe geht das, aber man schafft’s doch nicht immer“, muss sich die junge Frau Stunden nach dem Ableben ihres Mannes auf der Pressekonferenz eingestehen. Sein plötzlicher Tod reißt sie in ein tiefes Loch. Ganz hineinfallen kann sie jedoch nicht, allein ihrem Baby Leila zuliebe. Das kleine Mädchen hatten sie gerade erst adoptiert. Drei Jahre nachdem ihre kleine Tochter Lara verstorben war.

Schon in der 20. Schwangerschaftswoche erfahren die Eltern, dass ihr Ungeborenes an einem Herzfehler leidet. Direkt nach der Geburt wird das Baby operiert und Lara verbringt ihre ersten Lebensmonate auf der Intensivstation. Keine Sekunde weicht die Mutter von der Seite ihres Kindes. Schließlich ein erstes Aufatmen – Laras Zustand scheint sich zu stabilisieren und ihr stolzer Papa trägt seinen kleinen Sonnenschein durch das Stadion. Doch ein eigentlich harmloser Eingriff führt unerwartet zu Komplikationen. Lara stirbt am 17. September 2006 und wird nur zwei Jahre alt.

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Wie schafft man es nur, den Verlust der beiden Menschen, die man am meisten liebt, zu überwinden? „Der Mensch regeneriert nach einer Zeit“, so die 41-Jährige gegenüber der „Gala“. „Man denkt nicht mehr jedes Mal mit einem Stich im Herzen an den anderen, man wird dankbar, dass man diesen Menschen in seinem Leben hatte. Die Wunde bleibt, aber sie reißt nicht mehr ständig auf. Am Anfang gab es keine einzige Minute, in der ich nicht an Lara und Robbie gedacht habe. Jetzt sind es Kleinigkeiten, die mich an die beiden erinnern. In bestimmten Situationen weiß ich genau, wie Robbie schauen würde oder dass er sich darüber ausschütten würde vor Lachen. Dann begleitet er mich.“

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8 Jahre nach dem Tod ihrer großen Liebe, die sie bereits auf dem Sportgymnasium kennenlernte, sagt die Witwe: „Es schmerzt mich nicht mehr, an ihn zu denken.“ Die ehemalige Fünfkämpferin ist mittlerweile wieder verheiratet und noch einmal Mutter eines Sohnes geworden. Das Andenken an ihren „Robbie“ trägt sie jedoch nicht nur als Tattoo am Unterarm: Die 41-Jährige ist Vorsitzende der „Robert-Enke-Stiftung“, die sich dafür einsetzt, das Tabu um das Thema Depression zu brechen. Denn eine psychische Krankheit, an der allein in Deutschland über vier Millionen Menschen leiden, darf nicht totgeschwiegen werden.

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Die Stiftung hat mittlerweile ein Netzwerk aus über 70 Psychiatern und verschiedenen Anlaufstellen aufgebaut, ja sogar eine „EnkeApp“ ins Leben gerufen, mit der Selbstmordgefährdete in letzter Sekunde noch Hilfe rufen können. Teresa Enke widmet ihr Leben nun dafür, anderen ein Auffangnetz zu schaffen, da sie am eigenen Leibe erlebt hat, wie es ist, mit der Erkrankung allein gelassen zu werden. „Robbi hat ganz viel verändert“, zeigt sich die Witwe gegenüber dem „Kicker“ sicher. „Es wäre schön, wenn er das mitbekommen könnte. Ich hoffe, das passiert irgendwie.“

Quelle: Gala, Bunte, Welt